
Focus Stacking ist in der professionellen Fotografie der Garant für Schärfe und damit eines der wichtigsten Qualitätsmerkmale eines Bildes. Besonders in der Produktfotografie, wo jedes Detail zählt, stoßen Fotograf*innen jedoch oft an physikalische Grenzen. Eine geringe Tiefenschärfe bei Nahaufnahmen kann dazu führen, dass wichtige Teile eines Produkts unscharf bleiben. Genau hier kommt eine beeindruckende Technik ins Spiel: Focus Stacking.
Dieser Artikel erklärt euch, was Focus Stacking ist, wie es funktioniert, welche Vorteile und Nachteile es bietet und warum es besonders in der Produktfotografie unverzichtbar ist.
Was ist Focus Stacking?
Focus Stacking ist eine Fototechnik, bei der mehrere Aufnahmen desselben Motivs mit unterschiedlichen Fokusebenen gemacht und anschließend zu einem einzigen, komplett scharfen Bild zusammengefügt werden. Was ist mein Ziel: Ein Foto, das von vorne bis hinten durchgehend scharf ist – selbst bei Makro- oder Produktaufnahmen.
Wie funktioniert Focus Stacking technisch?
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Mehrere Aufnahmen erstellen:
Das Motiv wird mit einer Kamera auf einem Stativ fotografiert. Bei jeder Aufnahme wird der Fokus leicht verändert – von der vordersten bis zur hintersten Ebene. -
Bilder zusammenfügen:
In der Nachbearbeitung werden alle Einzelbilder mithilfe spezieller Software (z. B. Adobe Photoshop, Helicon Focus oder Zerene Stacker) kombiniert.
Die Software analysiert, welche Bildbereiche in welcher Aufnahme am schärfsten sind, und setzt diese zu einem einzigen, perfekt scharfen Bild zusammen. -
Feinabstimmung:
Im letzten Schritt wird das zusammengesetzte Bild retuschiert, um Übergänge zu glätten oder kleinere Fehler zu beseitigen.
Warum ist Focus Stacking in der Produktfotografie so wichtig?
In der Produktfotografie geht es darum, Produkte realistisch, ansprechend und technisch perfekt darzustellen. Dabei spielt Schärfe eine zentrale Rolle.
Gerade bei kleinen Objekten – etwa Schmuck, Uhren, Elektronik oder Kosmetikartikeln – reicht die Tiefenschärfe selbst bei geschlossener Blende oft nicht aus, um das gesamte Produkt scharf abzubilden.
Hier kommt Focus Stacking ins Spiel: Durch die Kombination mehrerer Fokusebenen entstehen Bilder, die in ihrer Detailtiefe und Präzision kaum zu übertreffen sind.
Beispiel: Schmuckfotografie
Ein Ring mit eingefassten Edelsteinen zeigt die Herausforderung deutlich:
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Fokussiert man auf die vorderen Steine, werden die hinteren unscharf.
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Wählt man eine kleinere Blende, gewinnt man zwar Tiefenschärfe, riskiert aber Beugungsunschärfe und verliert an Brillanz.
Mit Focus Stacking lassen sich beide Probleme umgehen – das gesamte Schmuckstück wird gestochen scharf, ohne an Bildqualität einzubüßen.
Die Vorteile von Focus Stacking
Focus Stacking bietet zahlreiche Vorteile, besonders für professionelle Fotograf*innen. Hier die wichtigsten im Überblick:
1. Maximale Schärfe im gesamten Bild
Der größte Vorteil liegt auf der Hand: Durch die Kombination mehrerer Fokusebenen entsteht ein Bild, das von vorne bis hinten perfekt scharf ist.
Das ist vor allem in der Makro- und Produktfotografie entscheidend, wo jedes Detail zählt.
2. Höhere Bildqualität ohne Beugungsunschärfe
Anstatt die Blende extrem zu schließen (z. B. auf f/22), um mehr Tiefenschärfe zu gewinnen, kann man mit Focus Stacking bei einer optimalen Blende (z. B. f/5.6 oder f/8) arbeiten.
So bleibt das Bild frei von Beugungsunschärfe und zeigt maximale Brillanz.
3. Professioneller Look
Produktfotos mit Focus Stacking wirken präzise, hochwertig und professionell.
In Onlineshops oder Katalogen fällt der Unterschied sofort auf – gestochen scharfe Bilder steigern das Vertrauen der Kund*innen und können die Conversion-Rate deutlich erhöhen.
4. Ideal für Retusche und Composings
Da das gesamte Produkt klar und detailreich abgebildet ist, bietet ein gestacktes Foto eine hervorragende Grundlage für Retuschen, Freisteller oder 3D-Effekte.
Das spart später Zeit in der Postproduktion.
Die Nachteile von Focus Stacking
Trotz seiner Vorteile ist Focus Stacking nicht in jeder Situation die perfekte Lösung. Es gibt einige Herausforderungen und Einschränkungen, die man kennen sollte.
1. Aufwändiger Workflow
Focus Stacking erfordert:
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mehrere Aufnahmen desselben Motivs,
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präzises Arbeiten mit Stativ und Licht,
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und eine aufwändige Nachbearbeitung.
Das kann den Produktionsprozess verlängern – besonders, wenn viele Produkte fotografiert werden müssen.
2. Bewegungen sind problematisch
Focus Stacking funktioniert nur bei absolut stillstehenden Motiven. Schon minimale Bewegungen – etwa durch Wind, Vibration oder Kameraerschütterung – können zu Geisterbildern oder Unschärfen führen.
Deshalb eignet sich die Technik eher für Studioaufnahmen als für spontane Outdoor-Shootings.
3. Hoher Speicher- und Rechenaufwand
Da viele Einzelbilder verarbeitet werden, entstehen große Datenmengen. Die Nachbearbeitung benötigt zudem leistungsstarke Hardware und kann je nach Software rechenintensiv sein.
Focus Stacking Schritt für Schritt: So gelingt es perfekt
Wer Focus Stacking professionell einsetzen möchte, sollte systematisch vorgehen.
Hier eine einfache Schritt-für-Schritt-Anleitung:
1. Kameraeinstellungen
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Manueller Fokus: Automatik vermeiden, da die Software präzise Fokusebenen benötigt.
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Manuelle Belichtung: Einheitliche Belichtung ist wichtig, um Helligkeitssprünge zu vermeiden.
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Niedrige ISO & stabile Lichtquelle: Für maximale Qualität und minimale Bildrauschung.
2. Aufnahme vorbereiten
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Verwende ein stabiles Stativ.
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Sorge für gleichmäßige Beleuchtung.
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Verwende Fern- oder Selbstauslöser, um Erschütterungen zu vermeiden.
3. Fokusebenen festlegen
Fokussiere zuerst auf den vordersten Punkt des Motivs und arbeite dich Schritt für Schritt nach hinten.
Je kleiner die Blende, desto mehr Aufnahmen sind notwendig.
4. Bilder zusammenfügen
Importiere die Bilder in deine bevorzugte Software.
Empfohlene Tools:
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Adobe Photoshop (Menü: Datei > Skripten > Dateien in Stapel laden)
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Helicon Focus (schnell & präzise für Makros)
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Zerene Stacker (ideal für wissenschaftliche oder industrielle Fotografie)
5. Nachbearbeitung
Überprüfe das Ergebnis sorgfältig.
Korrigiere gegebenenfalls Unregelmäßigkeiten an Kanten, Übergängen oder Helligkeiten. Danach kann das fertige Bild wie gewohnt bearbeitet werden (z. B. Farbkorrektur, Retusche, Export für Web oder Print).
Alternativen zum Focus Stacking
Es gibt Situationen, in denen Focus Stacking nicht praktikabel ist. Alternativen können sein:
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Blende stärker schließen: Erhöht die Tiefenschärfe, reduziert aber die Schärfequalität durch Beugung.
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Tilt-Shift-Objektive: Diese speziellen Objektive verändern die Fokusebene und ermöglichen in gewissem Maße, mehr Schärfe in die Tiefe zu bringen – allerdings zu einem höheren Preis.
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Software-Schärfung: Digitale Nachschärfung kann den Eindruck von Schärfe verbessern, ersetzt aber kein echtes Focus Stacking.
Fazit: Focus Stacking als Schlüssel zu perfekter Produktfotografie
Focus Stacking ist keine Spielerei, sondern ein unverzichtbares Werkzeug für alle, die präzise, detailreiche und professionelle Produktfotos erstellen möchten.
Trotz des höheren Aufwands in Aufnahme und Nachbearbeitung überwiegen die Vorteile deutlich:
Mehr Schärfe, höhere Qualität und ein professioneller Look, der sich direkt auf die Wahrnehmung eines Produkts auswirkt.
Ob Schmuck, Technik oder Kosmetik – wer in der Produktfotografie mit Focus Stacking arbeitet, hebt sich deutlich von der Konkurrenz ab.
Die Technik mag etwas Einarbeitung erfordern, doch das Ergebnis spricht für sich:
Bilder, die in jeder Ebene überzeugen.
Euer Max
P.S. Dieser Blogbeitrag handelt von einem Amazon Listing und die damit verbundene Produktfotografie